Schreiben und ich – Keine Liebe auf den ersten Blick

Reizwortgeschichten, Erörterungen und Textanalysen. 

Bis heute habe ich keine Ahnung, warum das deutsche Schulsystem der Meinung ist, dass aus drei zufällige Wörter eine Geschichte zu bauen oder das Wissen, ob das nun ein jambischer oder Kreuzreim ist, zeigen, ob jemand schreiben kann, oder nicht.

Ich war schlecht in Deutsch. Richtig schlecht. Fünfer, mal Sechser, zwischendurch vielleicht eine Vier. Und einmal eine Eins in einer Erörterung zu dem Thema, ob Minderjährige Modeln sollten.
„Siehst du, es geht doch“, sagte meine Lehrerin.
Na klar, dachte ich.
Die nächste Fünf kam bald danach.

Rechtschreibung und Interpunktion waren nicht mein Problem. Aber Worte in die Form zu bringen, wie andere es wollten – das konnte ich nicht. Das Gefühl war einfach nicht da. Es ist nicht meins, einem Muster zu folgen.
Ich schreibe nach Herz, nach Klang, nach Kopf, nach Wahrheit. Frei und unangepasst.

Und so schreibe ich, seit ich dreizehn bin.
Hier ein paar Seiten, dort ein paar Szenen. Die Welt war mir schon lange klar – lange bevor ich wusste, welche Geschichte ich darin erzählen würde. 

Und dann ganz plötzlich vor sechs Jahren kam der Punkt, an dem ich dachte: Da geht mehr.

Ich hatte dieses Bild im Kopf. Eine Welt. Rau, fordernd, voller Widersprüche. Ein ganzer Planet. Und zugegeben, ich habe verdammt lange am Worldbuilding gefeilt. 

Aber endlich wollte ich das, was ich so klar sehe, zu Papier bringen. Ich wollte eine richtige Geschichte erzählen. Mit Anfang und Ende. Eine Geschichte über eine Frau, die in einer Welt lebt, in der Stärke und Macht über allem steht – und die sich trotzdem einen wahren Kern behält. 

Ich wollte nie Geschichten über Gut und Böse schreiben.
Ich wollte verstehen – und vielleicht auch zeigen – was Menschen tun, wenn es keine einfachen Antworten mehr gibt. 

Also begann ich. Mit Plan. Mit Struktur. Voller Intention.
Ich schrieb – und verwarf. Ich schrieb neu – und verwarf wieder. 

Jedes Mal, weil ich am Ende eines Zyklus spürte, dass ich das jetzt besser kann. Also löschte ich hunderte von Seiten. Wieder. Und wieder. 

Bis vor zwei Jahren. Da war es plötzlich glasklar.
Ich weiß jetzt, was ich tue. Warum ich es tue. Und was ich damit erreichen will.

Ich habe verstanden, was mir kein Blogartikel oder Instagram Post sagen konnte: Ich muss meinen eigenen Weg finden. 

Denn ich fühle tief und denke in Systemen – und das ist keine alltägliche Kombination. 

Heute schreibe und plane ich Geschichten, die näher an mir sind als je zuvor. Tief und wahrhaftig. Weg von Tropen und Archetypen, hin zu echten Menschen, in echten Welten, die echte Entscheidungen treffen – und bereit sind den Preis dafür zu zahlen.

Ich denke, dass Moral ein Luxus ist, den sich nicht jede Welt leisten kann.
Und genau da schreibe ich.
Nicht um zu fliehen – sondern um zu verstehen. 

Und eines Tages kann ich die Geschichte, an der ich schon so lange arbeite, endlich fertig erzählen.

Aber zuvor gehören noch andere erzählt.